KEHRBLECH* der Woche >>
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Es gibt Leute, für die ist Fußball
das Leben. Sie können selbst im
Halbschlaf die Bundesligatabellen
von 1952 bis 1977 herunterbeten
und erinnern sich an Torschützen
oder sogar Flankengeber, die
heute niemand mehr kennt. Und
dann gibt es welche, die verfallen
nur bei Welt- und Europameisterschaften
in Euphorie und lassen
sich vom Strudel der kollektiven
Begeisterung mitreißen. Darunter
sind viele Frauen und ich. Echte
Fußballfans verachten solche
Quartalsexperten abgrundtief. Vor
allem, wenn sie – und das dürfte
in den vergangenen Wochen zuhauf
passiert sein – bei firmeninternen
WM-Tippspielen die
selbst ernannten Fachleute weit
hinter sich lassen. Mein mir gegenüber
sitzender Kollege Fuhrhop
zum Beispiel hat sich ziemlich
viele Gedanken gemacht,
bevor er seine Ergebnisse eingetragen
hat. Offenbar basierend
auf einem soliden Vorwissen und
in Kenntnis aller teilnehmenden
Mannschaften. Ich hingegen habe
aus meiner Unbedarftheit keine
Mördergrube gemacht, spontan
und völlig willkürlich irgendwelche
Quatschergebnisse aufgeschrieben
(zum Beispiel Deutschland-Australien 4:0) und ihn mit
gelegentlichen Zwischenfragen
an den Rand des Wahnsinns getrieben
(„Ist Uruguay eigentlich
gut?“). Ende vom Lied: Ich bin
Zweiter von 18 geworden und er
nur *darf ich nicht schreiben*.
Man muss es so krass ausdrücken:
Im Grunde hat jeder Tintenfisch
besser getippt als er. Noch
schlechter war allerdings ein
Sportkollege, das darf man ja gar
keinem erzählen. Was lehrt uns
das? Offenbar ist so ein Fußballspiel
vor Zufällen nicht gefeit.
Heutzutage ist ja nicht mal mehr
sicher, dass Michael Ballack Kapitän
bleibt, nur weil er es so will.
Dass er Philipp Lahm deswegen in
die Hochzeitssuppe spuckt, halte
ich übrigens für skandalös. Aber
ach, die WM ist vorbei, ich werde
mich ab jetzt wieder mit Fachsimpelei
zurückhalten. (lv)
*Das KEHRBLECH ist die wöchentliche Kolumne im Kehrwieder am Sonntag, der größten Wochenzeitung der Region Hildesheim.
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Journalist l Liedtexter l Sänger
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