Drogenrazzia: Lauter langjährige Kunden

Elzer Polizei durchsucht an einem Tag 16 Wohnungen / Haschisch, Marihuana, Cannabispflanzen und Waffen gefunden

Das hat sich gelohnt: 16 Wohnungen hat die Polizei Elze gestern nach Drogen durchsucht, meistens wurde sie fündig. Polizeikommissar Uwe Klingebiel hält ein prall gefülltes Päckchen mit Marihuana in die Kamera. Foto: Lothar Veit (lv) Die Polizei Elze hat gestern in Gronau und Umgebung 16 Wohnungen nach Drogen durchsucht. In den meisten Fällen wurde sie fündig: Die Beamten stellten Marihuana, Haschisch, Cannabispflanzen, jede Menge Wasserpfeifen, aber auch unerlaubte Waffen wie Schlagringe und Patronengurte sicher.

Vor dem Kommissariat in Elze geht es beinahe familiär zu. Während die Polizei bei einem Drogenbesitzer Fingerabdrücke nimmt und Fotos macht, wartet ein anderer schon auf die Heimfahrt. Zeit für eine schnelle Zigarette. „Auf der Polizeistation in Gronau wurde mir wenigstens noch ein Kaffee angeboten“, pflaumt der Wartende launig einen Polizisten an. Man kennt sich. „Die meisten sind langjährige Kunden“, sagt Dienststellenleiter Rainer Schulz. Er selbst ist bereits seit 25 Jahren dabei, was ungefähr dem Durchschnittsalter der Übeltäter entspricht.

Morgens in aller Frühe haben sie sich in mehreren Gruppen auf den Weg gemacht: acht Beamte des Polizeikommissariats Elze und der Polizeistation Gronau, zwei Beamte des Zentralen Kriminaldienstes Hildesheim sowie vier Hundeführer mit Rauschgifthunden. Außerdem waren vier Zeugen vom Gronauer Ordnungsamt und vom Elzer Amtsgericht bei dem Großeinsatz mit von der Partie.

Das Amtsgericht hatte Durchsuchungsbeschlüsse für zwölf Wohnungen in Gronau und je eine in Elze, Rheden, Betheln und Dötzum erteilt. Zwölf Verdächtige trafen die Ermittler zu Hause an. Diese hätten sich fast alle kooperativ verhalten, sagt Rainer Schulz. Was nicht heißt, dass sie sämtliche Betäubungsmittel sofort auf den Tisch gelegt hätten. Im Gegenteil: In einigen Fällen nahmen die Spürhunde die Fährte auf, in anderen stießen die Beamten auf das Rauschgift. Die größte gefundene Menge an Marihuana, mehr als 100 Gramm, war derart professionell in mehreren kleinen Tütchen in einem Einmachglas verpackt, dass die Hunde sie nicht riechen konnten.

Der Besitzer des Stoffs wurde vorläufig festgenommen, war aber am Nachmittag wieder auf freiem Fuß. „Mit dieser Menge ist er kurz vor der Untersuchungshaft gewesen“, sagt Schulz. Aber eben nur kurz davor. Überhaupt ist der Dienststellenleiter überrascht von der Menge der Funde: „Das ist mehr als wir gedacht hatten - für Gronauer Verhältnisse.“ Bei einigen der Erwischten bestehe der deutliche Verdacht, dass die Drogen nicht nur für den Eigenbedarf bestimmt seien, sondern auch für den Verkauf. Aber diese Bewertung obliege den Richtern, nicht der Polizei.

Neben Marihuana, Haschisch, Pilzen und Cannabispflanzen konnten die Beamten auch einige so genannte Zufallsbeschlagnahmungen vornehmen: So hat der Besitzer eines Patronengurtes nun ein weiteres Verfahren wegen Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz am Hals. Messer und Schlagringe wurden ebenfalls sichergestellt. Polizeikommissar Uwe Klingebiel zeigte sich verblüfft darüber, dass allein 13 Wasserpfeifen gefunden wurden. Und einer der Drogenkonsumenten hatte ein Heft mit Tipps zur fachgerechten Aufzucht von Cannabispflanzen daheim.

Die Herausgabe einer solchen Zeitschrift scheint erlaubt zu sein. Jedenfalls findet sich im Impressum der Hinweis, dass der Verlag keineswegs den Drogenkonsum propagiere. Das Magazin wolle lediglich informieren.

(erschienen in der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung am 3. August 2005)

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