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"Wir mussten uns neu entscheiden"
Weltjugendtag: Zu den "Tagen der Begegnung" kommen statt 10.000 nur 1.300 ausländische Gäste
(lv) Nur noch neun Tage - dann ist die Jugend der Welt zu Gast in Deutschland, zumindest die katholische. Die Hildesheimer Planungen für das Programm zum Weltjugendtag in Köln stehen, trotz eines brutalen Dämpfers: Statt der erwarteten 10.000 Jugendlichen kommen nun nur rund 1.300 ins Bistum Hildesheim.
"Das hat schon reingehauen", sagt Diözesanjugendseelsorger Martin Tenge. Mit großem Aufwand seien im Bistum Privatquartiere und regionale Aktionen für die so genannten "Tage der Begegnung" vom 11. bis 15. August organisiert worden. Manche Gastgeber hätten sich extra mit ihrer Ferienplanung auf den Weltjugendtag eingestellt - und gingen nun leer aus. Die Anmeldungen der ausländischen Besucher seien in Köln verwaltet worden. Von dort kamen auch die Schätzungen, auf die sich die Bistümer verlassen hatten. Nicht nur in Hildesheim ist die Enttäuschung groß: Mit 250.000 ausländischen Gästen habe man insgesamt gerechnet, nun kämen mit etwa 120.000 weniger als die Hälfte.
Die Gründe dafür sind noch nicht hinreichend analysiert. Nils Junker, Leiter des Hildesheimer Weltjugendtagsbüros, hat eine erste Vermutung: "Beim Tod des früheren und bei der Ernennung des neuen Papstes waren viele Jugendliche in Rom. Das war die Klientel der Weltjugendtage." Eine zweite Auslandsreise nach so kurzer Zeit könnten sich nur die wenigsten leisten.
Martin Tenge glaubt, dass Deutschland vielleicht insgesamt zu teuer für viele Gäste aus ärmeren Ländern ist, obwohl die Teilnahmebeiträge gestaffelt sind. Hinzu kämen aber noch die Anreisekosten. "Auch der Papstwechsel wird eine Rolle gespielt haben." Gerade in Polen, dem Herkunftsland von Papst Johannes Paul II., seien die Anmeldezahlen eingebrochen. Dennoch hätten sich die Mitarbeiter des Weltjugendtagsbüros vom ersten Schock erholt: "Wir sind im Tal angekommen, jetzt wird das Tal begrünt", sagt Tenge.
Das kann die freiwillige Mitarbeiterin Teresa Schubert bestätigen. "Als ich die Zahlen gehört habe, dachte ich zuerst: Dann kann ich ja gehen, ich mache das ja freiwillig." Aber damit hätte sie die anderen sitzen gelassen, und das wäre für sie undenkbar gewesen. Es blieb nur der Blick nach vorn. Das bisher geplante Programm wurde noch einmal überdacht. "Wir mussten uns neu für die Arbeit entscheiden", sagt Teresa Schubert. Immerhin würden nach wie vor allein aus dem Bistum Hildesheim 1.500 junge Menschen zum Weltjugendtag vom 16. bis 21. August nach Köln fahren.
Für die "Tage der Begegnung" sind die katholischen Pfarrgemeinden näher zusammengerückt. "Sie sind mit der Krise sehr kreativ umgegangen", sagt Martin Tenge. "Einige haben von sich aus auf Gäste verzichtet, damit woanders mehr aufgenommen werden können." Lamspringe etwa kann sich rühmen, eine der größten geschlossenen Reisegruppen zu beherbergen. Etwa 60 Jugendliche aus Irland und ihre Begleiter schlagen dort ihr Quartier auf. Kein Wunder: In der ehemaligen Klosterkirche von Lamspringe ist der irische Heilige Oliver Plunkett begraben.
Ein großes Treffen aller Weltjugendtagsgäste im Bistum Hildesheim ist für Sonnabend, 13. August, geplant. "Domhof International - Fest der Begegnung" heißt das Spektakel auf dem Hildesheimer Domplatz. 2.000 bis 3.000 Jugendliche werden erwartet, diesmal nach realistischeren Hildesheimer Schätzungen. Dabei sind auch der niedersächsische Kultusminister Bernd Busemann, Weihbischof Hans-Georg Koitz, für die evangelische Kirche Landessuperintendent Eckhard Gorka sowie Oberbürgermeister Dr. Ulrich Kumme.
Bei dem Treffen mit Gästen aus 24 Nationen soll schon einmal "Weltjugendtagsfeeling" aufkommen, wünscht sich Diözesanjugendseelsorger Martin Tenge. Alle Hildesheimer sind dazu eingeladen. Und am Montag, 15. August, geht es dann nach Köln. Kurzentschlossene können sich übrigens im Internet unter www.wjt2005.de noch anmelden.
(erschienen in der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung am 2. August 2005)
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