Kehrblech: Zauber der Augenbraue

Inzwischen sind ja sogar Neubesetzungen von TV-Nachrichtensprecherposten Nachrichten. Sie erinnern sich? Erst wurde großer Wirbel um die Nachfolge von Sabine Christiansen gemacht, dann, als Anne Will gegen Frank Plasberg gewonnen hatte, nachdem Günther Jauch mit den Gremlins von der ARD (hat er wirklich gesagt!) nichts mehr zu tun haben wollte, wurde auch die Nachfolge von Anne Will in den Tagesthemen zu einem Thema von nationaler Bedeutung aufgepumpt. Die Frage, wer eine halbstündige Nachrichtensendung moderiert, hielt das Land mindestens ebenso in Atem wie die Bundestags- oder die Papstwahl. Journalisten wollten vor allem wissen, ob es der Nachfolgerin gelingen würde, bei leicht ironischen Anmoderationen die Augenbraue schelmisch nach oben zu ziehen. Das war nämlich eine der größten Stärken von Anne Will. Nun hat ihre Erbin Caren Miosga die erste Woche hinter sich. Sie macht ihre Sache sehr gut! Ich möchte an dieser Stelle erwähnen, dass sie aus Groß Ilsede stammt und das gleiche Gymnasium wie ich besucht hat. Allabendlich sitze ich daher fasziniert vor dem Fernseher – und stelle fest: Sie beherrscht tatsächlich die Kunst des Augenbrauenhochziehens. Immer bei der etwas seichteren Nachricht kurz vor dem Wetter setzt Miosga gekonnt ihre linke Augenbraue ein. Ich bin hin und weg! Dumm nur, dass ich vor lauter Verzückung die Nachricht gar nicht mehr wahrnehme. Ein Glück, dass Sie uns Zeitungsredakteure nicht bei der Arbeit sehen können. Sie würden sich, wenn uns die Augenbrauen entgleisen, überhaupt nicht mehr auf unsere Texte konzentrieren können. (lv)

(erschienen im Kehrwieder am Sonntag am 22. Juli 2007)

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