Zieht der geplante Kanal den Ausbau der Elbe nach sich?

Schönebecker SPD-Kreisvorstand geschlossen gegen Saale-Ausbau bei Tornitz

Von Lothar Veit

SCHÖNEBECK/TORNITZ. Wird im Zuge eines möglichen Saalekanal-Neubaus bei Tornitz auch die Elbe ausgebaut? Der Koalitionsvertrag der Bundesregierung sagt nein, die Schifffahrtsverbände sagen einhellig: Der Bau des Saalekanals kann nur der erste Schritt sein. Unterdessen hat sich der SPD-Kreisvorstand Schönebeck geschlossen gegen den Saalekanal ausgesprochen.

Zeitplan für den Bau des Kanals
>> Bis 2004: Voruntersuchungen
>> Bis 2006: Raumordnungsverfahren
>> Bis 2009: Haushaltsplanung
>> Bis 2009: Planfeststellungsverfahren
>> Bis 2011: Ausführungsplanung
>> Bis 2013: Ausschreibung, Vergabe
In einer Pressemitteilung teilte Mario Kannegießer, Vorsitzender des Schönebecker SPD-Kreisvorstandes, mit, dass der Vorstand den geplanten Saalekanal in einem einstimmigen Beschluss abgelehnt hat. "Wir brauchen keinen Saalekanal. Solche und ähnliche Bauwerke an Elbe und Saale halten wir für nicht sinnvoll", so der Wortlaut.

Die Tauchtiefen von Elbe (1,20 Meter) und Saale (2,50 Meter) passten nicht zueinander, argumentiert der Kreisvorsitzende. "Nicht ein einziges der großen Europaschiffe würde hier wirtschaftlich rentabel fahren können. Wer wäre da so blauäugig, den Elbausbau nicht als Phase Zwei des Projektes zu betrachten?"

Der rot-grüne Koalitionsvertrag der Bundesregierung hat hingegen den weiteren Ausbau der Elbe ausgeschlossen. Entschieden trat auch der Dezernatsleiter bei der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Ost in Magdeburg, Detlef Aster, der Vermutung entgegen, der Saale-Kanal würde den Weg für weitere Baumaßnahmen an der Elbe ebnen. Bei der Diskussionsveranstaltung in Tornitz (Volksstimme berichtete), bezeichnete er derartige Gerüchte als "banalen Quatsch".

"Ausbaustopp muss auf den Prüfstand"

Anders lesen sich dagegen die Stellungnahmen der Schifffahrtsverbände vom April bzw. Mai diesen Jahres zum geplanten Saalekanal. Der Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB) etwa schrieb am 16. April an Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe: "Der BDB weist darauf hin, dass mit einer Belebung der Saaleschifffahrt und einem verbesserten Anschluss der mitteldeutschen Industrie ohne Maßnahmen an der Elbe zwischen Magdeburg und der Saalemündung kaum zu rechnen ist. Deshalb sind hier ergänzende Maßnahmen nötig."

Ähnlich äußert sich der Bundesverband der Selbständigen (BDS), Abteilung Binnenschifffahrt, in einem Schreiben vom 5. Mai: "Bei den neuen Vorhaben (des Bundesverkehrswegeplans) begrüßt der BDS-Binnenschifffahrt ausdrücklich den Ausbau der Saale. Allerdings muss auch in diesem Zusammenhang der Ausbaustopp an der Elbe auf den Prüfstand."

Offenbar unberücksichtigt bleiben bei alledem die Sorgen und zahlreichen Proteste der betroffenen Bürger in Tornitz und Umgebung. Auf Nachfrage der Volksstimme weist Felix Stenschke, Sprecher des Bundesverkehrsministeriums, diesen Vorwurf zurück: "Wir nehmen das alles zur Kenntnis, aber wir fühlen uns vorrangig dem Aufbau Ost verpflichtet." Der Kanal sei wirtschaftlich - auch ohne Ausbau der Elbe, bleibt der Ministeriumssprecher beharrlich.

Die zahlreichen Kritiker führt auch der Schönebecker SPD-Kreisverband als Argumentationshilfe an: "Die SPD-Basis, das heißt, alle SPD-Ortsvereine sowie die übergroße Masse der Bevölkerung in der Region sind gegen diesen Kanal", unterstreicht Mario Kannegießer. "Selbst die vielbeschworene Einigkeit in der SPD-Landtagsfraktion sei keinesfalls so einig, wie sie immer dargestellt wird", meint Kannegießer.

Baubeginn könnte frühestens 2013 sein

Auch der SPD-Bundestagsabgeordnete Ulrich Kasparick wendet sich massiv gegen den Saale-Kanal. Bereits im Februar bat er Minister Stolpe, den Saalekanal nicht in den Verkehrswegeplan aufzunehmen: "Da der Wille der Menschen hier in der Region überaus klar ist, bin ich in meinem Votum gebunden."

Sollte der Kanal dennoch beschlossen werden, steht ein langwieriges Verfahren bevor. In Tornitz sagte Dezernent Detlef Aster dazu: "Ich kann sie beruhigen: In den nächsten zehn Jahren wird hier nicht gebaut." Die Zeitplanung (siehe Infokasten) sei sogar eher positiv gerechnet. Auch die Finanzierung des 80-Millionen-Euro-Kanals ist noch offen. Ministeriumssprecher Stenschke ist sich allerdings sicher: "Unsere Planung ist solide."

(erschienen in der Schönebecker Volksstimme am 18. Juni 2003)

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