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Spediteure sind genervt von beispielloser Pannenserie
Lkw-Maut: Erhebliche Mehrkosten und unausgereifte Technik
Von Lothar Veit
ZERBST/LOBURG. Eigentlich sollte sie bereits am 31. August bundesweit eingeführt werden:
die Lkw-Maut. Doch bisher beeindruckt das neue System, mit dem Speditionen
vollautomatisch zur Kasse gebeten werden sollen, nur mit einer beispiellosen
Pannenserie. Fuhrunternehmer aus der Region reagieren ganz unterschiedlich
darauf - aber genervt sind sie alle.
"In Deutschland wollte man das Rad wieder mal neu erfinden",
seufzt Harry Meier, Inhaber der gleichnamigen Zerbster Spedition. Er
transportiert Paletten quer durch das Bundesgebiet, kennt aber auch die
Regelungen im europäischen Ausland. "In anderen Ländern wird ja längst Maut
erhoben. Warum wurde nicht einfach ein bestehendes System übernommen?",
fragt der Unternehmer.
Kernstück des "deutschen Weges" ist ein kleines Gerät im Autoradioformat, im
Fachjargon liebevoll OBU (On-Board-Unit) genannt. Das Gerät wird in das
Lkw-Cockpit eingebaut und soll dann automatisch erkennen, wieviel Kilometer
ein Fahrzeug auf den künftig mautpflichtigen Autobahnen zurücklegt.
Entwickelt wurde das System von einem Betreiberkonsortium namens "Toll
Collect". Hinter diesem Namen stecken keine geringeren Konzerne als
DaimlerChrysler und die Telekom. Dennoch gibt es bislang nur Probleme.
"Von 15 Geräten funktioniert keines"
Die Spedition Strümpel aus Loburg gehört zu den Betrieben, die sich bereit
erklärt haben, das Gerät zu testen. "Wir haben 15 Geräte im Probebetrieb -
kein einziges funktioniert", sagt Geschäftsinhaberin Monica Schneeberger.
Die Geräte zeigten beispielsweise im Display "mautfrei" an, obwohl eine
kostenpflichtige Autobahn befahren wurde. Im Gegenzug begann das Gerät auf
kostenlosen Landstraßen plötzlich, die Kilometer zu zählen. In anderen
Fällen reagierte der kleine Kasten überhaupt nicht, obwohl alle
Kontrolllampen brannten. Auch unterschiedlich angezeigte Mauthöhen auf
identischen Strecken gehörten zur Pannenstatistik.
Damit verbunden ist ein immenser Verwaltungsaufwand. Die Fehler müssen auf
speziellen Formularen umfangreich protokolliert und an den Hersteller
geschickt werden. Dieser spricht lapidar von Softwarefehlern und bot den
Firmen vergangene Woche in einem Schreiben an, sämtliche Geräte
auszutauschen. Das sei "die zeitlich und kostenseitig günstigste Variante".
Abgesehen von den technischen Problemen kommen auf die Speditionen künftig
erhebliche Mehrkosten zu: Je nach Größe des Lkw soll die Maut zwischen 12
und 15 Cent je Kilometer betragen. Harry Meier rechnet vor, was das für ihn
bedeuten könnte: "Angenommen, meine sieben 40-Tonner fahren im Durchschnitt
jährlich 100.000 Kilometer auf der Autobahn, dann entstehen für mich
Mehrkosten von 105.000 Euro." Dabei sei der Einbau noch gar nicht
berücksichtigt, der zwischen 300 und 500 Euro pro Gerät kosten wird.
"Die Leerfahrten bezahlt mir keiner"
Einen Teil der Kosten werden die Fuhrunternehmen an ihre Kunden weitergeben
müssen, aber zu 100 Prozent sei das nicht möglich, sagt Harry Meier: "Die
Leerfahrten zum Auftraggeber und zurück bezahlt mir keiner." Ein weiteres
Problem: Die Maut werde sofort und im Voraus abgebucht - alle 14 Tage. Bis
die Kunden der Speditionen ihren Teil mit der Rechnung zurückzahlen, können
mehrere Wochen ins Land gehen. "Bei dieser Regelung gehen 30 bis 40 Prozent
der kleineren Speditionsunternehmen den Bach herunter", fürchtet Meier.
"Wenn die Mauteinnahmen wenigstens für den Straßenbau eingesetzt würden",
sagt Monica Schneeberger, "wäre das ja noch in Ordnung." Aber eine weitere
versteckte Steuererhöhung sei nicht akzeptabel.
(erschienen in der Zerbster Volksstimme am 24. September 2003)
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