20 Interessierte ringen um Konzepte für Linkspartei

Erste Informationsveranstaltung der "Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit" in Halle

Von Lothar Veit

Sie wollen eine neue Linkspartei gründen (v.l.): Günter Falk aus Halberstadt, Landeskoordinator Winfried Lippoldes, Bundesvorstand Helge Meves. Foto: Lothar Veit HALLE. Der Universitätsplatz in Halle ist in stimmungsvolles Licht getaucht. Um 19.30 Uhr herrscht kein Betrieb mehr, die Studenten bevölkern die umliegenden Kneipen. Nur im Hörsaal C des Melanchtonianums brennt noch Licht. Hier diskutieren 20 Menschen über die Gründung einer neuen Partei.

Die "Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit" hatte am Donnerstag zu ihrer ersten Informationsveranstaltung in Sachsen-Anhalt eingeladen. Mit dabei: der neue Landeskoordinator Winfried Lippoldes, Helge Meves vom Bundesvorstand und 18 Interessierte, fast alles Männer. Vier stammen aus Halle, der Rest ist aus dem ganzen Bundesland angereist.

Sie eint ein Gedanke: Hartz IV muss weg! Doch was als Plakataufschrift etwas schlicht wirkt, wird bei der Wahlalternative unterfüttert. Man kann diesen Gegnern der Arbeitsmarktreform nicht vorwerfen, dass sie schlecht informiert seien. Frank Tillmann steht hinter einem Laptop und einem Videobeamer und erklärt anhand einer Computerpräsentation die Auswirkungen des Hartz-Gesetzes. Als Hintergrundbild hat er ein Porträt von VW-Personalvorstand Peter Hartz eingearbeitet. Günter Falk aus Halberstadt stöhnt auf: "Dieses Gesicht ertrage ich hier nicht."

Ansonsten wird sachlich diskutiert: über alternative Wirtschaftsmodelle, Organisationsformen, Strukturfragen. Hier sind keine hasserfüllten Männer und keine Eierwerfer versammelt, sondern politisch Interessierte mit den verschiedensten biografischen Hintergründen. Vom jungen Studenten über den Mittvierziger bis zum älteren Herren ist alles dabei. Einer outet sich als ehemaliges Mitglied der Grünen, einige sind aktive Mitglieder der PDS oder gehören den Globalisierungsgegnern "attac" an.

Noch sind viele Fragen offen. Ein Mann aus Halle ist zum Beispiel gegen eine Parteigründung. Als Verein habe man einfach mehr Freiheiten und könne weiterhin Mitglied in einer anderen Partei bleiben. Er selbst ist Probemitglied bei der Ökologischen Partei Deutschlands und Sprecher der Bürgerinitiative gegen Elektrosmog in Halle. Andere widersprechen: Nur als Partei könne man wirklich ins Geschehen eingreifen. Deswegen sei ein Programm jetzt dringend nötig. "Ich habe vor zwei Jahren auch eine Partei gegründet", steuert ein Mann mittleren Alters bei. Auch ohne Programm hätten 7.000 Leute die "Spaßpartei für Deutschland" gewählt.

Andere waren bislang noch nirgends Mitglied. Sie haben sich ein Beitrittsformular mitgenommen. Koordinator Lippoldes drückt nun aufs Tempo. In wenigen Wochen sollen weitere Treffen in Burg und Magdeburg stattfinden.

(erschienen in der Magdeburger Volksstimme am 28. August 2004)

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