Bejubeltes Abschlusskonzert der Jugendsingwoche

Von Iris N. Masson

Foto: Henrik Bode, BZ/Peiner Nachrichten PEINE. Gezielte Stimmbildung und Artikulation während der Jugendsingwoche im westfälischen Nordwalde standen im Mittelpunkt der arbeitsintensiven Proben. Am Sonntag brillierten 24 Sänger aus Peine und dem restlichen Deutschland zum Abschlusskonzert in der St.-Jakobi-Kirche in Peine.

So gestaltete sich das Programm erlebnisreich - das Ergebnis hohen Anspruchsdenkens seitens Jakobi-Kantor Christof Pannes und seines Kollegen Johannes von Hoff aus Oldenburg, die ihren Sängern alles abverlangten. Auch während des Konzertes, das sie abwechselnd leiteten. Sie führten durch Jahrhunderte der Chor- und Instrumentalmusik. Zwei fünfstimmige Motetten aus der "Geistlichen Chormusik" von Heinrich Schütz (1585 bis 1672) enthüllten ein präzise geschultes Klangmaterial, das überirdisch hold und sopran-sicher auch in sehr hohen Lagen das Kirchenschiff erfüllte. Kathedrale Klangsprache entäußerte sich - gleichsam ein Klostergewölbe durchmessend - beim Sanctus aus der Messe für vier Stimmen von William Byrd (1543 bis 1623).

Etwas zu temperamentvolle Bemühungen der Phrasierung im Allegro ließen die Trompete zu Orgelbegleitung beim Konzert D-Dur von Tommaso Albioni (1671 bis 1750) nervös überblasen klingen. Erst im Andante fanden die beiden Instumente zu sicherem und sensiblem Zu- und Miteinander bis zum dominanten Schlussakkord. Erster Applaus brandete auf.

Selbstvergessen, verloren schien eine gequälte Seele ins Licht zu streben bei Arthur Honeggers Choral für Orgel (1892 bis 1955). Organistin und Chormitglied Annette Velske (1963) belebte das Programm neben fulminanter Interpretation mit ungewöhnlichen Kompositionen: Betroffenen Applaus erntete ihr außergewöhnliches Werk "Collage für Sprecher, Chor, Pauke und Orgel". Einblick in Mystik gewährend, mit Sprechformeln in Meditation entführend, auf Vogelschwingen in Sphären erhebend, die über realistischem Fassungsvermögen stehen.

Auch ihre "Orgelimprovisationen" entließen in bizzar-depressive Schönheit, leidenschaftliche Trauer und Leidensfähigkeit - begehrten erbarmungslos Einlass durch jede Herzenstür. Jazzige Chormusik beschloss ein wunderbares, vom Zugabe heischenden Publikum bejubeltes Konzert.

(erschienen in der Braunschweiger Zeitung/Peiner Nachrichten am 9. April 2002)

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